logo dr. wagner

 

Allergisches Asthma

Auslöser, Komplikationen, moderne Behandlungswege

Allergie und Asthma sind sehr eng miteinander verknüpft: Bei einem Großteil der Asthmatiker sind allergische Faktoren die Hauptauslöser der Erkrankung. Bei Kontakt mit an und für sich harmlosen Stoffen kommt es bei ihnen zu einem massiven Fehlalarm der Abwehrzellen. Woran liegt dies?

Wenn die Natur zum Feind wird

Am einfachsten zu erklären ist dieses Phänomen am Beispiel der Pollenallergie: Wenn der harmlose Blütenstaub von Bäumen und Gräsern durch die Lüfte schwebt, verstärken sich bei vielen Asthmapatienten Reizhusten und Atembeschwerden. Der Grund hierfür: Die Pollen tragen auf ihrer Oberfläche bestimmte Eiweiße, die Allergene. Wenn diese in intensiven Kontakt mit der Schleimhaut der Atemwege treten, versetzen sie das körpereigene Abwehrsystem in Alarmbereitschaft: Spezialisierte Immunzellen, deren eigentliche Aufgabe darin besteht, den Körper vor gefährlichen Mikroorganismen wie Bakterien und Viren zu schützen, kontrollieren die möglichen Eintrittspforten. Sie „schlagen Alarm”, wenn sie dort fremde Eiweiße entdecken. Der „Eindringling” - hier das Eiweiß auf den Pollen - wird zunächst einmal auf seine Gefährlichkeit geprüft.
Und jetzt beginnt bei Allergikern die Fehlreaktion des Immunsystems. Die Abwehrzellen halten den Blütenstaub für eine gefährliche Invasion von Mikroorganismen. Der Eindringling wird „katalogisiert”, so dass er bei erneutem Kontakt sofort wieder erkannt wird. Die Mediziner sprechen von Sensibilisierung. Diese hat zur Folge, dass die Immunzellen bei erneutem Kontakt mit dem als „Feind” identifizierten Allergen direkt eine intensive Abwehrreaktion starten - ein fataler Fehlalarm, der bei Menschen mit Asthma im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche, akute Atemnot auslösen kann.

Komplexe Auslöser

Was letztendlich den Ausschlag für diese Fehlreaktion des Immunsystems gibt, ist nicht klar. Sicher ist aber, dass eine Allergie nicht nur eine Ursache hat, sondern immer mehrere Faktoren in einem vielfältigen Geschehen zusammentreffen, wenn das Immunsystem entgleist. Sowohl die Gene, als auch veränderte Lebensbedingungen und psychische Belastungen spielen dabei offensichtlich eine Rolle.


Die Gene: Die Wahrscheinlichkeit, ein allergisches Asthma zu entwickeln, wird zum Großteil vom Erbgut bestimmt. Wie hoch das Erkrankungsrisiko ist, hängt davon ab, ob ein oder beide Elternteile Allergiker sind. Leiden Vater und Mutter unter der gleichen Allergieform, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ebenfalls Allergiker wird, am größten. Kinder mit Neigung zu Allergien fallen häufig bereits unmittelbar nach der Geburt durch Milchschorf auf.


Die Lebensbedingungen: Manche Allergien sind in stark schadstoffbelasteten Gegenden besonders häufig. Allerdings sind keine Allergien auf die bei uns häufigen Luftschadstoffe bekannt. Man nimmt aber an, dass Dieselruß, Schwefeldioxid oder Ozon wichtige Wegbereiter für Allergien sind.


Die Psyche: Seelischer Stress, etwa durch Konflikte in der Partnerschaft, kann allergische Krankheitsbilder erheblich verstärken und beispielsweise Asthmaanfälle auslösen.
Je nachdem, in welchem Organ das Allergen von den Abwehrzellen unseres Körpers entdeckt wird, können die Betroffenen verschiedene allergische Krankheitsbilder entwickeln: Bei Heuschnupfen handelt es sich um eine allergische Reaktion der Nasenschleimhaut (allergische Rhinitis). Meist tritt gleichzeitig eine Bindehautentzündung, eine so genannte Konjunktivitis, auf. Bei allergischem Asthma reagiert das Bronchialsystem überempfindlich. Atmet ein Allergiker einen Stoff ein, auf den er überempfindlich reagiert, wird durch bestimmte Botenstoffe die Wand der Blutgefäße in diesem System vorübergehend durchlässiger, damit die Abwehrstoffe aus der Blutbahn in das Gewebe gelangen und dort ihre Aufgaben erfüllen können. Mit den Abwehrstoffen tritt auch in geringen Mengen Flüssigkeit aus der Blutbahn in das umgebende Gewebe über. Dadurch entsteht eine Schleimhautschwellung. Die Folge: die Bronchien werden enger. Hinzu tritt quälender, trockener Reizhusten, der häufig nicht mit dem allergischen Asthma in Verbindung gebracht wird. Bei Säuglingen und Kleinkindern zeigt sich das Asthma oft an einer pfeifenden  Atmung. Diese Fehlreaktion im Abwehrsystem entspricht von ihrem Ablauf her einer Entzündungsreaktion. Je länger diese Entzündung besteht, um so empfindlicher werden die Atemwege.

Wenn Beschwerden die Etage wechseln

Bei vielen Allergikern sind mehrere Organe betroffen. Daher können die verschiedenen allergischen Krankheitsbilder gleichzeitig bestehen. Oft entwickeln sie sich aber nacheinander: Zunächst besteht ein Heuschnupfen, später tritt dann oft zusätzlich ein allergisches Asthma auf. Die Mediziner sprechen vom „Etagenwechsel”: Die Symptome rutschen sozusagen eine Etage tiefer, von der Nase in die Bronchien. Man kann also sagen, dass Heuschnupfen einen Risikofaktor darstellt, an Asthma zu erkranken. Heuschnupfen sollte schon deshalb als „richtige” Erkrankung wahrgenommen und nicht bagatellisiert werden.

Die Erklärung hierfür ist, dass die Schleimhaut der Nase zahlreiche Ähnlichkeiten mit der Schleimhaut in den Bronchien aufweist. Obwohl es Unterschiede im Krankheitsbild von Heuschnupfen und Asthma gibt, weiß man inzwischen, dass die oberen ebenso wie die unteren Atemwege von einem gemeinsamen und wahrscheinlich fortschreitenden Entzündungsprozess betroffen sind. „Tapferes Durchhalten” ist daher bei Allergien nicht nur völlig fehl am Platze, sondern unter Umständen sogar gefährlich. Eine unzureichende Entzündungskontrolle begünstigt das Fortschreiten der Erkrankung und möglicherweise auch den Etagenwechse

Was man tun kann

Erstes Gebot bei Heuschnupfen ebenso wie beim allergischen Asthma ist es, die Auslöser möglichst zu meiden. Dazu ist eine umfassende Allergiediagnostik bei einem allergologisch ausgebildeten Facharzt unumgänglich. Die Suche nach dem Allergieauslöser kann bei Pollen- oder Tierhaarallergie sehr einfach sein. Aber die Suche kann sich mitunter auch sehr langwierig und komplex gestalten. Ist sie von Erfolg gekrönt, besteht eine Möglichkeit darin, dem Allergen möglichst aus dem Weg zu gehen oder die Überempfindlichkeit des Immunsystems gegen diesen bestimmten Stoff herab zu setzen. Eine Allergenkarenz, also das Vermeiden des Allergens, ist dann Erfolg versprechend, wenn die allergische Reaktion auf Nahrungsmittel, Arzneimittel, deren Zusatzstoffe oder auf bestimmte Tiere erfolgt.
 
Sich vor Pollen zu schützen, ist dagegen weitaus schwieriger. Auch wer während der Pollensaison die Fenster schließt und jeden Abend den Blütenstaub aus den Haaren wäscht, wird den Kontakt nicht ganz vermeiden können. Hier ist wichtig, frühzeitig und konsequent medikamentös zu behandeln, um eine Verschlimmerung sowie Folgeerkrankungen möglichst zu vermeiden. Die Behandlung sollte dabei nicht nur die Symptome lindern, sondern vor allem der chronischen Entzündung in sowohl den oberen als auch den unteren Atemwegen entgegenwirken. Klassische Naturheilverfahren wie Klimatherapie, Entspannungsverfahren und Atemgymnastik können die antientzündliche Basistherapie bei Asthma sinnvoll unterstützen.

Die chronische Entzündung stoppen

Wichtig ist es, dass der Asthmatiker die entzündungshemmende Medikation auch dann einnimmt, wenn er keine Beschwerden hat. Die Entzündung in den Atemwegen ist nämlich auch dann vorhanden, wenn scheinbar gerade keine Probleme mit der Atmung bestehen. Nur mit einer regelmäßigen Behandlung lässt sich die chronische Entzündung und damit auch die Häufigkeit der Asthmaanfälle vermindern. Besonders wichtig ist die vorbeugende, entzündungshemmende Therapie in Zeiten, in denen besonders viele Allergene in der Atemluft vorhanden sind, aber auch in Zeiten erhöhter Infektgefahr. Denn Erkältungsviren können ebenfalls zu einer Entzündungsreaktion in den Atemwegen führen bzw. diese verstärken und zu einer deutlichen Verschlechterung führen.

Verschiedene Wege – ein Ziel

Es gibt derzeit nur wenige Therapien, bei denen sowohl die oberen als auch die unteren Atemwege mit einem einzigen Medikament behandelt werden können. Hierzu zählen die so genannten Steroide, die Leukotrienantagonisten und die Hyposensibilisierung. Antihistaminika haben sich zwar in der Behandlung des Heuschnupfens bewährt, in der Behandlung von Asthma aber überwiegend enttäuscht.
 
Die Steroide (wissenschaftlicher Name: Glukokortikosteroide) haben eine gute antientzündliche Wirkung. Sie verbessern sowohl die durch den Heuschnupfen verursachten Beschwerden als auch die Asthmasymptome und die Lungenfunktion. Um die Heuschnupfensymptome zu lindern, muss zusätzlich ein Kortison-Nasenspray verabreicht werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine hochdosierte inhalative Steroidtherapie zu einer Verminderung der durch den Heuschnupfen verursachten Beschwerden führen kann. Es stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung, die in der Regel als Spray oder Pulver inhaliert werden. Damit der eingeatmete Wirkstoff  in der richtigen Dosis an die richtige Stelle, d.h. bis in die Bronchien gelangt, ist es Voraussetzung, die Inhalationstechnik richtig zu beherrschen. Diese wird unter anderem in Asthmaschulungen vermittelt.
 
Die Leukotrienantagonisten werden als Tablette eingenommen. Sie richten sich gezielt gegen wichtige entzündungsfördernde Botenstoffe bei Asthma und Heuschnupfen, die so genannten Leukotriene. Neuere Studien zeigten, dass die Leukotrienantagonisten nicht nur wirksam in der Therapie des Asthmas sind, sondern auch die Heuschnupfensymptome vermindern können.
 
Bei der so genannten Hyposensibilisierung wird der Allergieauslöser wiederholt und über einen längeren Zeitraum in langsam ansteigenden Konzentrationen injiziert oder, vor allem bei Kleinkindern, oral aufgenommen. Diese Behandlungsform kann möglicherweise den Etagenwechsel vom Heuschnupfen zum Asthma verhindern und den natürlichen Verlauf des Asthmas positiv beeinflussen.

Quelle: Spiro, Feb. 2004, 7. Jahrgang, Heft 1

nach oben

zurück

© Dr. med. Norbert Wagner, D-96049 Bamberg 2008