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Kein Entrinnen?
Erkältungsprävention:
Bei Schnupfen ist guter
Rat billig, aber rar
So viel gleich vorweg: Es gibt kein Entkommen. „Erkältungen
kann man nur entgehen, wenn man wie ein Eremit weitab
der Zivilisation lebt", sagte David Tyrell einmal,
einer der bekanntesten Schnupfenforscher Großbritanniens. Über
30 Jahre lang hat Tyrell die Common Cold Research Unit
in Salisbury geleitet, das britische Erkältungsforschungszentrum.
Doch viel Hilfe konnte er den Menschen in dieser langen
Zeit nicht anbieten: Zwei bis fünf Mal im Jahr
ereilt einen Erwachsenen eine Erkältung und
ein Kind sogar sechs bis acht Mal. Die lästigen
Virusinfektionen gehören zu den häufigsten
Krankheiten überhaupt. Kein Wunder, denn es sind
mehr als 200 verschiedene Erreger, die die Attacken
auf unsere Atemwege und Schleimhäute ausführen.
Auch wenn die Erkältungswissenschaftler so manchen
Erreger dingfest gemacht haben: Wie man sich vor geschwollenen
Schleimhäuten und einer schniefenden Nase schützen
kann, wissen die Forscher bis heute nicht so recht.
Weil immer wieder ein neuer Angreifer den Körper
befällt, kann das 1mmunsystem kaum aus seinem
letzten Feind lernen. Anders als bei Kinderkrankheiten
wie Masern, Mumps und Röteln wird der Körper
deshalb nicht gegen Erkältungen immun.
Nicht einmal die warme Jacke hilft
Hilfe von außen gibt es kaum: Selbst das gute
alte Vitamin C, das der bekannte Chemienobelpreisträger
Linus Pauling so verehrte und in riesigen Mengen schluckte,
scheint nicht zu helfen. ..Vitamin C zeigt keine Wirksamkeit
bei der Prophylaxe von Erkältungskrankheiten folgert
die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
aus allen vorliegenden Studien. Auch Extrakte aus dem
Sonnenhut („Echinacea“) und Zinkpräparate,
die in vielen Hausapotheken vorkommen, kann man getrost
vergessen. Nicht einmal die gängige Vorstellung,
eine warme Jacke und ein Schal würden gegen den
Angriff der Erkältungsviren helfen, hält
wissenschaftlichen Untersuchungen stand. Dass
sich erkältet, wer kalt wird, konnten Studien
nie beweisen. Allerdings liegen auch nicht besonders
viele Erhebungen zu diesem Thema vor. Man verlässt
sich folglich doch besser auf sein Gefühl und
die Ratschläge seiner Mutter, als sich gedankenlos
der Kälte auszusetzen, wenn man sich nicht schon
wieder eine Schnupfennase holen will.
Andere Alltagsweisheiten haben sich dagegen bestätigt:
So scheinen regelmäßige Saunagänger
tatsächlich weniger anfällig für die
Viren-Attacken zu sein. „Die positive Wirkung
des Saunabadens besteht darin, dass der Körper
trainiert, seinen Wärmehaushalt zu regulieren“,
ist Eberhard Conradi von der Berliner Charité überzeugt.
Und wer sein Immunsystem schwächt, weil er zuviel
Stress hat und zu wenig schläft, fängt sich
leichter eine Erkältung ein als ausgeglichene
und ausgeruhte Zeitgenossen.
Wenn die Erkältung schon begonnen hat, siegen
die Hausmittel. Die meisten Arzneien würden
höchstens die Symptome bekämpfen, schneller
los würde man den Infekt damit aber nicht, betont
die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.
Wer sich die Viren eingefangen hat, sollte zuallererst
das Rauchen einstellen. Dann empfiehlt die Kommission
Dampfinhalationen, warme Getränke, warme Bäder
und auch Hals-, Brust- und Wadenwickel. Zwar sei die
Wirksamkeit der meisten dieser Hausmittel auch nicht
bewiesen. Aber sie trügen in jedem Fall zum Wohlbefinden
bei und außerdem seien sie billig.
Quelle: Christina Berndt, wohlfühlen 3-2004
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© Dr.
med. Norbert Wagner, D-96049 Bamberg 2005 |